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BT vom
07.09.2001 (Dieter Giese)
Kronospan: Abgeordnete der SPD bei Ortstermin in Bischweier
"Gesunde
und faire Bedingungen für Bischweier"
Bischweier (dg)
- Der Protest der Bürger gegen das Spanplattenwerk in Bischweier ruft
nun auch Bundes- und Landespolitiker der Region auf den Plan. Am Mittwochabend
legten die SPD-Politiker Nicolette Kressl (MdB) und Gunter Kaufmann (MdL)
einen Ortstermin im Kirschendorf ein, auch Baden-Württembergs Innenminister
Thomas Schäuble (CDU) aus Gaggenau kündigte ein Treffen mit der
Bürgerinitiative "Saubere Luft im Murgtal" (SLiM) an.
Beeindruckt von der "starken Verankerung des Protests"
in Bischweier und Kuppenheim zeigten sich nach dem rund dreistündigen
Treffen, bei der die SLiM ihre Position darstellte, die beiden SPD-Abgeordneten.
Kaufmann lobte ausdrücklich die "sachgerechte und fundierte Arbeit"
der Bürgerinitiative. In der entscheidenden Frage -"Dürfen
die anfangen, Spanplatten zu produzieren, bevor sie nachgewiesen haben, dass
sie nachgerüstet haben?" - stimme man mit der SLiM überein:
Der Spanplattenhersteller muss die Auflagen erfüllen. "Rechtsvorschriften
sind einzuhalten", sagte Kaufmann, der wie Kressl daran erinnerte, das
solche Industrieansiedlungen gegen die Bevölkerung schwerlich durchzusetzen
seien.
Das Werk besichtigte
die Gruppe beim Ortstermin, der von Heinz Wolf von der Kup-penheimer SPD ("Kronospan
ist nicht nur ein Problem von Bischweier, Rauental und Muggensturm")
organisiert wurde, übrigens nur von außen. Allerdings gab eine
kurze Begegnung mit dem Werksleiter. Neben Nicolette Kressl und Gunter Kaufmann
hatten sich der Gruppe auch zahlreiche Kommunalpolitiker aus den Umlandgemeinden
angeschlossen, darunter auch Bürgermeister Werner Trauthwein aus Kuppenheim
und Bürgermeister Robert Wein aus Bischweier. Auch die IG-Metall-Bezirksstelle
war mit den beiden Bevollmächtigten vertreten.
Neben der Firmenleitung
von Kronospan - "eine moderne und transparente Unternehmenspolitik sieht
anders aus" (Kressl) geeriet vor allem die Landkreis-Verwaltung ins Fadenkreuz
der beiden Abgeordneten. Dass die Sanierungsbescheide, die noch unter der
Ära von Gruber + Weber erlassen worden waren, bis zum heutigen Tage noch
nicht erfüllt worden seien, sei nur schwer nachvollziehbar. Kaufmann,
der für die SPD auch im Rastatter Kreistag sitzt, versprach, der Landratsamtsspitze
genauer auf die Finger zu schauen. Falls nicht sachgerecht gehandelt werde,
werde man die Vorteile einer abgestuften Verwaltung nutzen und die Rechtsaufsicht
einschalten.
Wie die beiden
Abgeordneten auf BT-Nachfrage unterstrichen, war die Veranstaltung allerdings
nicht nur ein Austausch von "Nettigkeiten" zwischen SlLiM und SPD.
"Es kann nicht unser Ziel sein, Industrie-Ansiedlungen zu verhindern",
unterstrich Kressl in der anschließenden Pressekonferenz und wies mit
ihrem Kollegen den "Verdacht" der Maschinenstürmerei von sich.
Es gehe vielmehr um "gesunde und faire Umweltbedingungen für die
Gemeinden". Dass Bischweier aufgrund seiner geographisch sensiblen Lage
nicht gerade als Industriestandort prädestiniert ist, sei allerdings
offensichtlich.
Über die Frage,
ob sich auf dem Areal des Spanplattenwerks ein "interkommunales Gewerbegebiet"
besser mache, wie aus den Reihen der SLiM und auch der Bischweierer Bürgerschaft
zu vernehmen sei, ließe sich "durchaus vielfältig diskutieren",
sagte Kaufmann: "Das ist eine kommunale Frage." Beide Abgeordnete
rieten den Gemeindevertretern und der Bürgerinitiative, weiter auch das
Gespräch mit der Firma Kronospan selbst zu suchen. "Das ist trotz
aller Unterschiede und Kontroversen sinnvoll."
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