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Gruber+Weber / Kronospan > Leserbriefe > Robert Wein

Leserbrief von Bürgermeister Robert Wein, Bischweier
Komunal-Echo Kuppenheim / Bischweier Nr. 24/01 (15.06.2001)
als Reaktion auf den Leserbrief von Horst Schulte, Bischweier

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

unsere regionalen Tageszeitungen haben z.B. unter folgenden Überschriften über die Sitzung des Gemeinderates Bischweier vom 18. Mai 2001 berichtet:
"Vereinbarungsentwurf der Firma abgelehnt"
"Nein zur Norderweiterung des Spanplattenwerkes"
"Dem Spanplattenwerk ein Korsett verpasst"
"Zahlreiche Forderungen an Kronospan gestellt"

Das wurde von unabhängigen Journalisten berichtet. Diese Überschriften zeigen klar die Richtung, in die der Gemeinderat gegangen ist.

In Leserbriefen behauptet Herr Schulte anderes.
Dazu hin hat er mich und Gemeinderäte im allgemeinen persönlich angegriffen. Das tut er seit Jahren - immer mal wieder. Da werden Behauptungen aufgestellt; mir werden Aussagen untergeschoben, die ich nicht gemacht habe; es wird munter drauflos spekuliert. Gelegentlich drängt sich mir sogar die Frage auf, ob da nicht sogar bewusst falsches eingestreut wird?

Ich habe schon oft versucht: Antworten zu geben; darzulegen was falsch ist; in eine sachliche Diskussion zu kommen. Leider muss ich feststellen, dass im Gegenzug persönliche Verunglimpfungen kommen. Das nehme ich zwischenzeitlich nur noch zur Kenntnis. Wenn's ihm Freude macht…
Ich erlaube mir aber zu diesen Leserbriefen auch mal etwas zu sagen.

Herr Schulte hat seinen heutigen Leserbrief unter die Überschrift gestellt: "Es herrscht Chaos." Falsch lieber Herr Schulte. "Chaos" herrscht vielleicht in Ihren Äußerungen. Sie vermischen durchaus richtige Denkansätze mit falschen Annahmen, Behauptungen, Spekulationen etc., so dass das Ergebnis bei unabhängigen Beobachtern Kopfschütteln auslöst. Allerdings: wirre Behauptungen lösen natürlich leicht Verwirrung aus.
Vielleicht könnte das sogar bis zum Chaos führen.
Das sollte man vermeiden, wenn man seriös arbeiten will. Wollen Sie seriös arbeiten?

Wir (Gemeinderat und Bürgermeister) haben einen klaren Kurs. Vielleicht gibt es bessere Worte, als die, mit denen ich versuche diesen Kurs zusammenzufassen. Aber die Richtung ist klar: "Eingrenzen, begrenzen, verträglich machen - soweit als möglich."

Für mich ist das in Sachen Spanplattenwerk seit 10 Jahren die Leitlinie. Das ist auch kein "blöder Spruch", wie Herr Schulte meint.
Wer ehrlich zu den Bürgern sein will, der muss den Bürgern auch sagen, was machbar ist und was nicht machbar ist. Das habe ich als Bürgermeister getan und das werde ich weiter tun. In Kurzfassung drücke ich das zwischenzeitlich mit den Worten aus: "... - soweit als möglich."
Was wir heute noch machen können und was wir auf der anderen Seite hinnehmen müssen, weil es in der Vergangenheit schon anders gemacht wurde, das hängt sehr stark ab von unserer Ausgangslage - also z.B. vom tatsächlichen und vom rechtlichen Bestand, der bei uns in der Vergangenheit geschaffen wurde. Beim Bestand und seinen Folgen lässt Herr Schulte gerne manches weg.

Herr Schulte war von Mai 1975 bis Februar 1997 selbst im Gemeinderat. Er war ein einflussreicher Gemeinderat, der auch in seiner Funktion als langjähriger Fraktionsvorsitzender die Leitlinien der Gemeindepolitik in Bischweier wesentlich mitbestimmt hat. Er hat über Jahre hinweg verantwortlich an dem, was wir heute haben und mit dem wir leben (müssen und dürfen) mitgearbeitet. Darüber lese ich in seinen Leserbriefen der letzten Jahre nichts.

Ich habe mein Amt als Bürgermeister in Bischweier am 1.1.1989 angetreten. Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, dass wesentliche Grundlagen für den Betrieb und die Erweiterungsmöglichkeiten des Spanplattenwerkes vor meiner Zeit geschaffen worden sind, z.B.:

  • der Bebauungsplan von 1983, den wir heute versuchen zu begrenzen. So weit dies heute noch möglich ist! Die Rechtslage steckt uns für Eingrenzungsversuche enge Grenzen. Der Bebauungsplan ist der zentrale Bereich in dem die Gemeinde selbst entscheiden kann. Sonst hat die Gemeinde nicht viel selbst zu entscheiden. Die Gemeinde hat bereits 1983 entschieden, die Erweiterungsflächen in der "Uchtweide" mehr als zu verdoppeln.
  • Vereinbarungen mit GRUBER + WEBER zur technischen Erschließung und zu deren Finanzierung (z.B. 1987)
  • die Betriebsgenehmigung von 1987/88
  • und vor allen Dingen eine Vielzahl von Grundstücksgeschäften zu Gunsten G+W. Mehr als 220.000 qm dazu ein passender Bebauungsplan - das bietet Möglichkeiten. Und die sind da. Die kann man nicht einfach weglassen, oder einfach NEIN sagen. Das hilft nichts. Diese Möglichkeiten und die damit verbundenen Rechtspositionen sind da. Sie wurden in der Vergangenheit geschaffen. Kronospan versucht sie zu nützen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Das tun wir. Um herauszuarbeiten, was für uns noch möglich ist und was auf der anderen Seite hingenommen werden muss, arbeiten wir mit anerkannten Fachleuten zusammen. Was von diesen unabhängigen Fachleuten kommt, ist ein wesentlicher Maßstab, an dem wir (BM / GemR) uns orientieren. Sprüche helfen uns nicht.

Ich fasse zusammen: Wesentliche Grundlagen und wesentliche Teile des Spielraumes für die Erweiterungsmöglichkeiten, über die wir heute in Sachen Kronospan diskutieren und streiten wurden vor meiner Amtszeit gelegt. Herr Schulte hat dabei mitgewirkt. Davon weiß er aber scheinbar nichts mehr.

Ich persönlich stehe zu dem, was die vorhergehenden Generationen geschaffen haben, obwohl ich daran nicht mitgewirkt habe und obwohl ich manches aus heutiger Sicht anders sehe, als sie damals. Ich respektiere aber die Beweggründe und die Zwänge, in denen die Gemeinderäte damals waren (entschieden hat die Mehrheit, manches mal auch alle - nicht der Bürgermeister alleine).

Ich schreibe hier auch noch mal das, was ich schon oft gesagt habe: Ich bin stolz darauf, Nachfolger Josef Schiels zu sein. Auch dabei bleibe ich. (Hinweis für Neubürger: Josef Schiel war bis 1987, über 32 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Bischweier. Er hat sich große Verdienste um Bischweier erworben.)

Ich stehe dazu, dass der öffentlich rechtliche Vertrag mit GRUBER + WEBER in meine Verantwortung fällt. Die Entscheidungen dazu wurden vor der Bürgermeisterwahl 1996 getroffen und umfassend öffentlich diskutiert. Das - mit Kommentaren des Herrn Schulte - haben die Wähler bei ihrer Entscheidung gewusst.

Ich stehe aber insbesondere und besonders gerne auch dazu, dass ich seit rund 10 Jahren daran arbeite und versuche, "in Sachen Spanplattenwerk" Änderungen zu erreichen (teils mit Erfolg, teils ohne Erfolg) - soweit es eben überhaupt möglich ist heute noch zu ändern. Dafür bin ich aus einer anderen Ecke im letzten Vierteljahr mehrfach heftig angegriffen worden. Unter anderem wurde von "Blockadepolitik" gesprochen. Auch dies zeigt, dass Herr Schulte mit seinen Behauptungen daneben liegt.

Von beiden "Extrempositionen" lasse ich mich aber nicht beirren. Ich bleibe meinem Kurs treu und werde weiter darum werben, dafür eine Mehrheit zu bekommen. Ich werde weiter versuchen, das sachlich zu erreichen.
Herr Schulte macht es sich leicht.

Er ist im Februar 1997 aus dem Gemeinderat "ausgetreten".
Dass er davor auch an einigem wesentlich mitgewirkt hat, mit dem wir heute kämpfen - kein Wort darüber. Behauptungen aufstellen, Beweise schuldig bleiben - kein Problem. Kommentare geben - ohne Verantwortungsdruck (vielleicht dazu noch persönliche Feindschaften ausleben?). Das erleben wir seit Jahren. Vielleicht bereitet das Freude?
Die Probleme unserer Dorfgemeinschaften in Bischweier und Kuppenheim sind damit sicher nicht zu lösen.

In den Beschlüssen, die am 18. Mai 2001 gefasst wurden, finde ich persönlich und auch sicher manch anderer Gemeinderat Details oder Formulierungen, die einem persönlich nicht passen.
Die Frage ist aber, ob jeder (auch außerhalb des Gemeinderates) versucht sein eigenes Süppchen zu kochen, oder ob es nicht besser ist zu versuchen eine größtmögliche Gemeinschaft zu suchen, um unsere sowieso kleinen Kräfte zu bündeln.

Ich bitte sich die Kräfteverhältnisse in der Auseinandersetzung: "große" Gemeinde Bischweier gegen "kleines Familienunternehmen" Kronospan zu verdeutlichen: Geld, Arbeitskräfte, Einfluss, etc. ? Wenn Zwerge gegen einen Riesen bestehen wollen, ist es dann für die Zwerge sinnvoll, sich zu zerstreiten?

Die deutliche Mehrheit im Gemeinderat Bischweier (ich auch) hat sich dafür entschieden, im Detail Unangenehmes zu schlucken, um den insgesamt richtigen Kurs gemeinsam zu verfolgen. Unser Kurs lautet:

"Eingrenzen, begrenzen, verträglich machen - soweit als möglich."

Wir wollen nicht den kurzfristigen Applaus für utopische Ziele, Sprüche und Schlagzeilen. Wir wollen reale Ergebnisse, die uns in Bischweier und Kuppenheim nutzen. Dafür arbeiten wir. Dafür arbeiten wir mit möglichst vielen zusammen. Gemeinschaft hilft. Gemeinschaft setzt (leider) manches mal auch Kompromissfähigkeit im Detail voraus.

Erfolgreiches arbeiten setzt aber immer voraus, dass wir uns der Wirklichkeit stellen. Vor Tatsachen die Augen zu schließen hilft nicht. Wir müssen uns mit dem Bestand der da ist auseinander setzen. Wir müssen Sacharbeit leisten. Nur so können wir unsere Möglichkeiten herausarbeiten. Dafür arbeiten wir mit anerkannten Experten zusammen. Die sagen uns anderes, als das, was Herr Schulte so schreibt.
Wer meint, wir könnten uns gegen Kronospan mit Behauptungen, Annahmen, Sprüchen etc. behaupten, der möge sich die anderen Standorte der Kronospan anschauen, z.B. das "Lehrstück" Lampertswalde. Kronospan handelt! Da wird "durchgezogen". Mit Luftnummern ist dagegen nichts zu machen. Deshalb arbeiten wir mit Experten. Mit denen müssen wir daran arbeiten unsere wirksamen Möglichkeiten herauszuarbeiten. Das tun wir.

Ich habe vielfach darum gebeten, dass uns auch die Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Auch das brauchen wir.
Das wird auch getan. Viele Bürgerinnen und Bürger haben bereits Anregungen an uns gegeben. Ich danke ihnen dafür herzlich. Die Anregungen der Bürger habe ich bearbeitet und zusammengefasst am 18. Mai in den Gemeinderat gebracht.

Über die wesentlichen Ergebnisse werde ich berichten.
Für weitere Anregungen bin ich dankbar. Auch die werden bearbeitet und in die Verfahren eingebracht. Das brauchen wir: sachliche Mitarbeit, sachliche Kritik. Vorschläge zur Sache. Stimmungsmache, verbale Rundumschläge, wie in Teilen von Leserbriefen des Herrn Schulte, kosten dagegen nur Energie und Zeit. Damit sind in den Verfahren um das Spanplattenwerk keine Ergebnisse zu erzielen. Das taugt nur für Schlagzeilen und Aufregungen. Aber das kann ja wohl nicht das Ziel sein?
Wenn wir messbaren Erfolg in der Wirklichkeit wollen, dann müssen wir an der Sache arbeiten und vor allem müssen wir auf verschiedenen Ebenen zusammen arbeiten. Dazu gehört sachliche Kritik. Verbesserungsvorschläge sind herzlich willkommen. Pauschale Verunglimpfungen helfen aber nichts.

Für das was uns wohl am meisten interessiert, das Immissionsrecht, dafür haben wir gar keine eigene Entscheidungshoheit. Deshalb müssen wir versuchen, den Behörden, stichhaltige Argumente zu liefern, so dass in unserem Sinne (= Begrenzen - soweit als möglich) entschieden werden kann. Auch das erreichen wir sicher nicht dadurch, dass wir die Beamten, die entscheiden müssen pauschal verunglimpfen, wie das z.B. Herr Schulte schon gemacht hat.

Das Gegenteil ist richtig. Wir müssen Sacharbeit machen. Wir müssen dem Landratsamt Rastatt Argumente liefern. Dort werden die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden, die die Bürger interessieren.
Die Gemeinde hat für das Immissionsrecht keine eigene Entscheidungshoheit.

Entschieden wird das meiste im Landratsamt.
Wer in den gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren Entscheidungen zu seinen Gunsten will, der muss Argumente und Beweise liefern. Behauptungen genügen nicht.

Darauf müssen wir uns konzentrieren. Daran müssen wir arbeiten. Wir (Gemeinderat, Bürgermeister und beauftragte Experten) tun das mit hohem Einsatz. Wir bitten darum, uns dabei zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüssen,

Robert Wein
Bürgermeister Bischweier

 

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