Kommunales
Kinderhaus
Spielwiese
Kinderhaus
Spielwiese - ein Zukunftsmodell ?
Mitglieder des SPD-Ortsvereins und der Gemeinderatsfraktion hatten sich am
11. Januar 2002 im Rahmen ihrer Betriebsbesichtigungen im Kinderhaus "Spielwiese"
angesagt, um dieses Beispiel einer ganztägigen Betreuung genauer in Augenschein
zu nehmen.
Deutschland als
hochindustialisiertes Land hinkt ja in der Kinderbetreuung seit Jahrzehnten
hinter der gesellschaftspolitischen Entwicklung her, vor allem in der Betreuung
und Förderung seiner Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen, wie unlängst
auch die "Pisa-Studie " im internationalen Vergleich bewiesen hat.
Junge Frauen mit
Nachwuchs müssen heute häufig mitarbeiten zur finanziellen Absicherung,
weil sie Alleinerziehende sind oder zumindest teilweise im Beruf bleiben wollen,
weil man in unserer schnelllebigen Zeit leicht den Anschluss an die berufliche
Entwicklung verliert. Im Gegensatz aber zu Nachbarländern wie Frankreich
oder Holland oder gar zur ehemaligen DDR mit ihren Krippen und Horten beharrte
man bei uns auf dem vorindustriellen Modell: Familie, Mutter und ein freiwilliger,
privat zu zahlender Kindergarten. Berufstätige Frauen waren und sind
von der Wirtschaftswunderzeit bis heute in einer Weise auf Eigenorganisation
angewiesen wie nirgends sonst in der Welt.
Da schon die ersten Kindergärten aus der Arbeiterinnen-Problematik und
aus Angst vor Verwahrlosung der unbetreuten Kinder (damals übrigens weltweit
vorbildlich) entstanden, steht es der heutigen Gesllschaft gut an, sich endlich
mit erweiterten Betreuungsmodellen anzufreunden.
Die "Spielwiese"
entstand aus einer privaten Initiative, ist vom Sozialamt anerkannt als "Träger
der freien Jugendhilfe" und betreut im Moment 18 Kinder zwischen einem
und und 12 Jahren ganztags, Essen und Mittagsschläfchen für die
Kleinen inklusive.
Außer der
Leiterin, Frau Sabine Huck, arbeiten zwei Vollzeitkräfte und zwei
Aushilfen sowie wechselnde Praktikantinnen mit den Kindern. Vom guten Ruf,
den sich die "Spielwiese" im Landkreis inzwischen erarbeitet hat,
zeugt eine Warteliste von rund 25 weiteren Kindern nicht nur aus Kuppenheim,
sondern auch aus Gernsbach, Rastatt und sogar aus dem Durmersheimer Raum.
Ab 1. März, wenn der Umzug der "Spielwiese" ins Industriegebiet
bewältigt ist, soll es eineinhalb Gruppen geben. Die Einrichtung öffnet
für die berufstätigen Mütter schon um 6.30 Uhr; um 9 Uhr gibt
es Frühstück, zwischen 11.30 und 12 Uhr Mittagessen. Dann ist Mittagsruhe
bis 14 Uhr angesagt, um 15 Uhr nochmals ein kleiner Imbiss und um 17.30 Uhr,
freitags um 15.30 Uhr, werden die Kleinen abgeholt. Das Spiel- und Förderangebot
entspricht demjenigen "richtiger" Kindergärten, für die
Größeren natürlich erweitert (z.B. wenn eine angehende Logopädin
ihr Praktikum absolviert) und schließt zusätzliche Hausaufgabenbetreuung
ein.
Nach der sehr informativen
Besichtigung war allen Besuchern klar, dass diese Art von Ganztagsbetreuung
ein Zukunftsmodell darstellt, denn das Rad unserer Gesellschaft mit Kleinfamilien
und Frauenberufstätigkeit ist nicht mehr zurückzudrehen und braucht
vernünftige Modelle.
Der Antrag der "Spielwiese" an die Gemeinde auf einen Personalkostenzuschuss
konnte leider nicht wie gewünscht erfüllt werden. Man beschloss
aber, pro Kuppenheimer Kind einen Zuschuss zu gewähren. Die anderen "Herkunftsgemeinden"
sollen aufgefordert werden, entsprechend zu verfahren.
Wir haben unseren
MdL Gunter Kaufmann gebeten, den Wunsch von Bürgermeister Trauthwein,
der in Briefen an die Landtagsabgeordneten angeregt hat, die "Spielwiese"
künftig wegen ihres Leistungsangebotes als Ganztagskindergarten richtiger
einzustufen und dadurch mit einem deutlich höheren Betriebskostenzuschuss
zu versehen, mit allen Kräften zu unterstützen.
Text: Horst Ricken
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