Kommunales
Haushalt
2002
Verabschiedung
des Haushaltes 2002
Stellungnahme der SPD-Fraktion
Schwieriges
Haushaltsjahr steht an
Die Stadt Kuppenheim
hat im Jahr 2002 einen finanziellen Kraftakt zu bewältigen. Ein Rekordhaushalt
von über 17 Mio Euro ist zu schultern.
Dass die Situation sehr schwierig ist, sehen wir an der Zuführungsrate
vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt, die praktisch gleich Null
ist. Die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von fast 1,5 Mio Euro ist notwendig.
Unser Schuldenstand steigt auf über 7 Mio Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung
steigt auf 932 Euro. Diese Verschuldung muss schnellstmöglich auf ein
akzeptables Niveau zurückgeführt werden.
Verwaltungsgebäude
größter Ausgabe-Brocken
Der große Schwerpunkt des Haushaltsjahres 2002 ist die Finanzierung
des neuen Verwaltungsgebäudes. Über 2,5 Mio Euro werden in diesem
Jahr bereitgestellt und investiert. 12,6 Mio DM waren ursprünglich für
den Bau veranschlagt. Nach Berechnungen unseres Projektmanagers werden wir
den Kostenrahmen nur geringfügig überschreiten (um 51000 Euro).
Dass wir den Kostenrahmen einhalten können, liegt auch daran, dass wir
in dieser für die Bauwirtschaft schwierigen Lage günstige Konditionen
bei Vergaben bekommen konnten. An dieser Stelle wollen wir auch BM Trauthwein
ein Lob aussprechen. Dass der Förderrahmen nochmals um 600 000 DM erhöht
wurde, ist sicherlich sein Verdienst.
Im neuen Rathaus
wird auch eine fast neue EDV-Anlage zur Verfügung stehen. Wir erwarten,
dass in Zukunft noch effektiveres Arbeiten möglich sein wird und noch
mehr Bürgernähe im neuen Rathaus groß geschrieben wird. Das
Schaeuble-Areal soll nun zügig freigelegt und der Verwertung zugeführt
werden, wobei wir gegenüber früheren Ansätzen geringere Erlöse
erzielen werden. Gemeinderat und Verwaltung müssen ihre Hausaufgaben
in punkto Bebaubarkeit dieses Geländes schnellstmöglichst erledigen.
ÖPNV
weiterer Schwerpunkt
Neben den Investitionen
fürs Rathaus werden in diesem Jahr weitere Vorhaben auf den Weg gebracht.
Ein für uns schon immer sehr wichtiger und förderungswürdiger
Schwerpunkt ist die Unterstützung des ÖPNV. Der Bahnhof wird derzeit
neu gestaltet und die Elektrifizierung muss mitfinanziert werden. Um die Anbindung
der Innenstadt an den dezentral gelegenen Bahnhof zu gewährleisten, ist
der Bau der beiden Bushaltestellen an der Friedrichstraße notwendig.
Wir sind überzeugt, dass sich diese Investitionen in der Zukunft ausbezahlen
werden und Kuppenheim als Wohnstadt an Attraktivität gewinnen wird.
An dieser Stelle
bedanken wir uns auch bei Stadtbaumeister Gerhard Heinz, der es in Verhandlungen
mit dem Straßenbauamt geschafft hat, dass Teile der Friedrich- und der
Murgtalstraße einen neuen Belag erhalten.
Was lange währt:
Toranlage fürs Feuerwehrgerätehaus
Endlich wird es mit einer neuen Toranlage für das Feuerwehrgerätehaus
klappen. Jahrelang haben wir dieses Problem immer wieder aufs nächste
Haushaltsjahr verschoben. Jetzt scheinen auch die letzten schwierigen technischen
Details geklärt, so dass die Arbeiten ausgeschrieben und vergeben wurden.
Die Abteilung Oberndorf erhält einen MTW (Mannschaftstransportwagen).
Wir von der SPD-Fraktion haben die Bewilligung dieser Gelder unterstützt.
Favoriteschule:
Mit Anbau beginnen
Ein Schwerpunkt
unserer Kommunalpolitik war schon immer die Unterstützung von Schulen,
Kindergärten und Vereinen. Wir begrüßen, dass weder unsere
Schulen noch unsere Kindergärten einschneidende Einsparungen tragen mussten
und dass die Vereinsförderung aufrecht erhalten wird. Erfreulich, dass
wir trotz der schwierigen Finanlage dem MSC Puma (2 x 2500 Euro) und den SV
08 (2000 Euro) Baukostenzuschüsse genehmigen und dem Obst- und Gartenbauverein
in den Teichäckern ein Gelände zur Verfügung stellen konnten.
Im Haushalt des
Nachbarschaftsverbandes sind 157500 Euro als erste Rate für den Anbau
der Favoriteschule vorgesehen. Nach unserer Auffassung sollte auf jeden Fall
noch in diesem Jahr mit dem Anbau begonnen werden.
Erfreulich:
Wieder 25000 Euro für Radwege
Wir freuen uns
sehr, dass auch in diesem Jahr wieder Gelder für Radwege eingestellt
worden sind. 25000 Euro stehen zur Verfügung. Wir sind der Auffassung,
dass der Gemeinderat und die beiden Kuppenheimer Radsport treibenden Vereine
an der Entscheidung beteiligt werden sollten, wohin die Mittel in diesem Jahr
fließen.
Grundlegende
Reform des Gemeinde - Finanzsystems notwendig
Ein wichtiger Mosaikstein
des Haushalts ist der Verkauf von Grundstücken. Fast eine Million Euro
sind veranschlagt. Wir sind guter Hoffnung, dass dieser Betrag eingehen wird.
Bei Betrachtung
der Einnahmen durch Steuern, allgemeine Zuweisungen und Umlagen ist festzustellen,
dass die Hauptpositionen "Gemeindeanteil an der Einkommensteuer"
und "Schlüsselzuweisungen" in etwa konstant geblieben sind.
Sorgen bereitet uns der Einbruch der Gewerbesteuer, wie vielen anderen Kommunen.
Die Gründe scheinen vielschichtig. Ein Punkt scheint zu sein, dass Unternehmen
durch interne Umstrukturierungen die Zahlungen von Gewerbesteuer vermeiden.
Unverständlich ist auch, dass die Gewerbesteuerumlage trotz sinkender
Gewerbesteuer erhöht wurde. Der Anteil von Bund und Land an der Gewerbesteuer
muss gesenkt werden. Hier ist eine kurzfristige Korrektur notwendig.
Wir sehen aber hier ein grundlegendes Problem: Immer wieder versuchen Bund
und Land Kosten auf die unterste Ebene, die Kommunen zu verlagern. Beispiele
sind die vom Land propagierte verstärkte Kinderbetreuung: 80 Prozent
der Kosten sollen die Kommunen übernehmen, nur 10 Prozent kommen vom
Land. Ein anderes Beispiel ist die vom Kultusministerium geforderte optimale
Multimedia-Ausstattung der Schulen. Zuschüsse sollen den Gemeinden durch
Eingriffe in kommunale Investitionstöpfe gegeben werden. Dieses Geld
fehlt dann den Gemeinden an anderer Stelle.
Absolut notwendig
ist also eine grundlegende Reform des Gemeinde-Finanzsystems. Hierbei sind
alle Parteien gefordert. Wir werden unsere Sorgen an unsere Mandatsträger
in Bund und Land weiterleiten. Wir fordern unsere Kollegen von der CDU auf,
Gleiches zu tun.
Richtig ist, dass die Gewerbesteuerumlage von der Bundesregierung von 93 auf
102 Punkte angehoben wird. Der ursprüngliche Ansatzpunkt war, dass sowohl
Einkommensteuerzahler als auch Unternehmen weniger Steuern bezahlen müssen.
Weniger Steuern erhöhen die Einkommen der Steuerpflichtigen und die Gewinne
der Unternehmen, was wiederum die Kaufkraft der privaten Haushalte und die
Investitionskraft der Unternehmen erhöht. Höhere Gewinne bedeuten
höhere Gewerbesteuereinnahmen. Leider ist das bisher noch nicht eingetroffen.
Auch die kommunalen Spitzenverbände haben die Steuersenkungspläne
der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt und die Bereitschaft
unterstrichen, sich wie Bund und Länder an der Nettoentlastung der Unternehmen
zu beteiligen.
Im Übrigen
wollte die CDU/CSU eine doppelt so hohe Entlastung. Wäre das nur vom
Bund getragen worden, frage ich. Nein! In dem Konzept der CDU/CSU war eine
Senkung der Gewerbesteuer-Messzahlen um 20 % vorgesehen, was Städte und
Gemeinden noch viel härter getroffen hätte. Die FDP plädiert
für eine völlige Abschaffung der Gewerbesteuer.
Nicht vergessen
werden sollte, dass die alte Bundesregierung die Gewerbesteuerumlage von 53
auf 83 Prozent erhöht hat. Nicht vergessen sollte man auch, dass die
Landesregierung im Jahre 1997 die Finanzausgleichsumlage zugunsten des Landes
erhöht hat. Statt 20 % muss die Stadt Kuppenheim in diesem Jahr 20,99
% der Steuerkraftsumme an das Land abführen.
Landkreis: Fusionsgedanken
sorgfältig prüfen
In den Haushaltsberatungen des vergangenen Jahres haben wir gefordert, die
Kreisumlage zu senken. Dies ist erfreulicherweise geschehen. Trotzdem sind
weitere Schritte notwendig, um Einsparmöglichkeiten zu suchen. Sehr genau
und schnellstens sollten die Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion
der Kreise Rastatt und Baden-Baden überprüft werden. Ebenso sollte
überlegt werden, ob es sinnvoll ist, vor Klärung der Fusionsfrage,
Gelder in einen Architektenwettbewerb für ein neues Landratsamt auf Canrobert.
Wir von der SPD-Fraktion
stellen uns der schwierigen Haushaltssituation und stimmen dem Etat in der
vorgelegten Form zu. Aus diesem Grunde hat sich unsere Fraktion mit Wünschen
für dieses Jahr zurückgehalten. Allerdings kann es nicht sein, dass
wir in den kommenden Jahren nur Schuldendienst für das neue Rathaus betreiben.
Es gibt noch viele Bereiche, in denen Verbesserungen notwendig sind (u.a.
sicherer Übergang bei der Favoritstraße, Gestaltung des Denkmalplatzes,
Renovierung der Rathausfassade Oberndorf, Instandsetzung der Dorfstraße
(Hauptstraße) in Oberndorf, Anlage des Kreisels beim E-Center). Für
diese Vorhaben werden wir uns auch in Zukunft einsetzen, um die Attraktivität
von Kuppenheim und Oberndorf weiter zu erhöhen.
Unser Dank gilt
Herrn Christoph Hettler und seinen Mitstreitern für die übersichtliche
Darstellung des Haushaltsplanes.
Text: Edwin Bohe
Fotos: Heinz Wolf
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