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Thomas
Grochowiak > Atelierbesichtigung 2002
Atelierbesichtigung
bei Professor Thomas Grochowiak
Eine
"Vernissage" der besonderen Art
Manch Museumsdirektor oder Kunstdezernent bedeutenderer Städte als es
Kuppenheim sei, könne nur neidvoll von einem solchen Besucheransturm
träumen, meinte Professor Thomas Grochowiak angesichts der überwältigenden
Resonanz, auf welche die Einladung zur öffentlichen Besichtigung seines
Ateliers am 13. Januar 2002 gestoßen war.
Nachdem SPD-Stadtrat
und Mitinitiator Heinz Wolf die zahlreichen Besucher begrüßt und
Professor Grochowiak für diese Möglichkeit, Malerei zu erleben,
gedankt hatte, ergriff der Hausherr das Wort. In der ihm eigenen bescheidenen,
gleichwohl humorig-verschmitzten Art stellte er sich selbst kurz vor, indem
er aus den "Anmerkungen zum Leben eines Wißbegierigen", einem
in seiner Geburtsstadt Recklinghausen zusammengestellten Büchlein über
ihn und sein Leben zitierte. Dort sei er zutreffend als einer beschrieben
worden, der "viele Jahrzehnte als Lernender, als Künstler, als Kunstförderer,
als Museumsgründer, als Kulturpolitiker, als Mitglied der Leitung der
Ruhrfestspiele, als Sozialdemokrat, als Gewerkschafter sowie als unbequemer
Mitbürger" gelebt und gearbeitet habe. Dabei habe er sich stets
von der Überzeugung leiten lassen, dass Kunst nicht einer Elite vorbehalten
sei sondern für alle Menschen zugänglich sein müsse.
Zur Malerei sei
er gekommen, weil ihn die Farben schon seit frühester Kindheit fasziniert
hätten, wobei es ihm ganz besonders um die "reinen", unverfälschten
Farben gehe. Diese Vorliebe illustrierte er an mehreren Beispielen konkreter
Wirkung von Farben auf die Menschen, die sich nicht nur in einer breit gefächerten
Farbsymbolik widerspiegeln sondern nicht zuletzt auch psychologisch erklärbar
seien.
Schon sehr früh
habe er sich in seiner Malerei von der Musik inspirieren lassen: er lasse
die Musik, ihre Stimmungen und Rhythmen auf sich wirken und versuche dann,
dies im Bild wiederzugeben. Dabei müsse er sich intensiv auf das musikalische
Geschehen einlassen, seine Struktur erkennen und danach das Bild "komponieren".
Und ein Bild sei nur dann gut und gelungen, wenn seine Komposition, also beispielsweise
Raumaufteilung und Verhältnis der Farben zueinander stimme. Er verwies
darauf, dass man ja auch in der Musik sicherlich nicht zufällig oftmals
von einer "farbigen" Komposition spreche. Und er verwies auf den
Dirigenten eines Konzertes oder einer Symphonie, der ja in Gestik umsetze,
was er im musikalischen Werk höre. Allerdings könne man im nach
der Musik gemalten Bild konkrete Strukturen in ihrer musikalischen Reihenfolge
nicht wiederfinden. Und so sei es auch Sache des Betrachters, das Bild auf
sich wirken zu lassen, im Zusammenspiel der Farben vielleicht Motive, Gestalten
und Symbole zu erkennen, sich dabei aber daran zu erinnern, dass der Maler
selbst diese Effekte keineswegs bewusst erzeugen wollte. Oft schon sei es
geschehen, betonte Professor Grochowiak, dass ihm selbst erst im Gepräch
mit Betrachtern seiner Bilder manche Wirkung bewusst geworden sei, die er
zuvor keineswegs beabsichtigt habe, dass manches Symbol erkennbar sei, das
er so nicht bewusst gestaltet habe.
Abschließend
konnten die Besucher in zwangloser Atmosphäre (es gab Brezeln und Sekt)
mit dem Künstler diskutieren und die zahlreichen Bilder und Gemälde,
die er in seinem Atelier in der Rheinstraße ausstellt, ebenso betrachten
wie einen Video-Film, der die Entstehung eines der ausgestellten Werke dokumentiert.
Nochmals ein herzliches
Dankeschön an Professor Grochowiak für diesen ebenso lehrreichen
wie amüsanten Sonntagvormittag.
Text: Horst Ricken
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